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Auch der Pantherpilz gehört zu den Giftpilzen, die Pilzberater immer wieder in den Körben der Sammler finden.

14. Juni 2017

Im Landkreis Zwickau gibt es 25 ehrenamtliche Pilzberater. Uwe Vogel aus Mülsen ist einer von ihnen. Er informiert von ihrer Arbeit im Jahr 2016.

Das Jahr 2016 ist für alle Pilzfreunde ein sehr durchwachsenes Pilzjahr gewesen. Es begann im Frühjahr aufgrund der reichlich vorhandenen Feuchtigkeit mit einem sehr guten Pilzwachstum, das bis Mitte Juni anhielt, dass mancherorts sogar reichlich Pfifferlinge wuchsen.

Im April waren außergewöhnlich viele verschiedene essbare Morchel- und giftige Morchelarten zu finden, damit konnte eine Ausstellung mit ca. 40 Frischpilzarten durchgeführt werden. In den Sommermonaten Juli und August wuchsen nur sporadisch für kurze Zeit dort Pilze, wo es gerade örtliche Niederschläge gegeben hatte. Mitte September war vielerorts das Wasser verbraucht. Die Hauptsaison begann damit viel zu trocken und es war kaum Pilzwachstum zu verzeichnen. So wurden zwar Pilzausstellungen durchgeführt, aber es bereitete viel Mühe und großen Zeitaufwand, eine akzeptable Menge an Arten zu finden. Dies änderte sich erst im Oktober als nach einsetzenden Regenfällen Ende September wieder größere Pilzfunde zu verzeichnen waren. Mit den ersten Frösten Anfang November ersetzten Austernseitlinge und Winterrüblinge die Sommer- und Herbstpilzarten.

Die Pilzberater des Landkreises haben im Jahr 2016 ca. 3 350 Beratungen durchgeführt, bei denen etwa
8 800 einzelne Bestimmungen notwendig waren. Trotz mäßigem Wachstum kamen einige Giftpilze ans Licht. So hatten alle Berater viel zu tun, um Fliegenpilze, Pantherpilze, Giftchampignons und andere Giftpilze aus den Körben der Sammler zu sortieren. Es konnten z. B. 18 Exemplare der tödlich giftigen Knollenblätterpilze entfernt werden. Häufiger als 2015 trat im Berichtsjahr der Pantherpilz auf, dessen "Genuss" nicht selten im Krankenhaus endet und bis ins Koma führen kann. Hier wurden über 172 Pilze im Sammelgut gefunden. Selbst Fliegenpilze (2016 wurden ca. 67 entnommen) tauchten trotz ihrer Bekanntheit immer wieder bei den Sammlern auf. Hierbei handelt es sich meist um den roten Fliegenpilz und seltener um die wesentlich giftigere braune Form, welche vor allem im Gebirge zu finden ist. Besonders stark vertreten war in diesem Jahr der Karbol- oder Giftchampignon, die über 850mal falsch in die Körbe gelegt worden ist. Er löst vor allem Magen-Darm-Beschwerden aus und ist leicht mit dem Anis- oder Wiesenchampignon zu verwechseln.

Leider müssen die Pilzberater auch immer wieder Kahle Kremplinge, im Volksmund "Sauohren", den Körben entnehmen, obwohl er früher als guter Speisepilz galt. Bei ungenügendem Erhitzen kann er aber Vergiftungen in Form von ernsthaften Magen-Darmerkrankungen und Kreislaufkollaps auslösen. Heimtückischer ist jedoch seine zweite Wirkung: Aufgrund eines Antigens, das dieser Pilz enthält, kann es bei manchen Personen nach wiederholtem Kremplingsverzehr zu einer Immunreaktion, im schlimmsten Fall zu einem allergischen Schock mit multiplen Organversagen und Todesfolge kommen.

Ein Thema darf man bei der ganzen Pilzsammelei nicht außer Acht lassen: Viele Pilzfreunde kommen zu den Beratern mit alten und schon verdorbenen Pilzen zur Kontrolle und verstehen nicht, wenn diese ihnen nicht zum Verzehr überlassen werden. Schließlich entstehen bei alten oder durchwässerten Exemplaren die Pilze zersetzende Bakterien Mykotoxine, die bei Verzehr zu Eiweißvergiftungen führen können und das selbst bei Steinpilzen oder Maronen, die jedoch nur jung und frisch gute Speisepilze sind! An Spätfolgen durch verschimmelte Pilze, in denen Aflatoxine gebildet wurden, sollte auch immer gedacht werden, da schon geringe Mengen davon ausreichen können, um Krebs auszulösen.

Bedenkt man die Zahl der aussortierten Giftpilze, so ist gut vorstellbar, dass viele Vergiftungen durch die Arbeit der Pilzberater verhindert werden konnten und somit menschliches Leid erspart wurde .

Ergänzt werden die Beratungen noch durch die Beantwortung von telefonischen Anfragen zur Zubereitung von Pilzen, allerdings werden telefonisch einzelne Pilze nicht zum Verzehr freigegeben, da hierbei immer das Risiko einer Fehlbestimmung gegeben ist.

Die Anzahl an Beratungen fiel bei den einzelnen Pilzberatern sehr unterschiedlich aus (von 13 bis mehrere Hundert). Das mag wohl darin begründet sein, dass einige von ihnen ständig bzw. andere nur zeitlich begrenzt erreichbar sind. Ein weiterer Faktor ist, dass bei den „Alteingesessenen“ der Bekanntheitsgrad größer ist.

Zusätzlich zu den Beratungen im Landkreis einschließlich der Stadt Zwickau wurden 14 Pilzausstellungen durchgeführt. Dort konnten die Besucher jeweils Samstag und Sonntag ihre Artenkenntnisse mit den ausgestellten Pilzen vergleichen. Die Besucherzahlen lagen zwischen 200 und 600 Gästen pro Ausstellung. Eine solche Ausstellung erfordert oft mindestens zwei Tage Vorbereitung zu den eigentlichen zwei Ausstellungstagen, um den Besuchern eine Vielzahl von Arten präsentieren zu können. Hochgerechnet laufen bei einem Berater an einem solchen Wochenende ca. 26 Stunden freiwillige Arbeit auf. Durchschnittlich betreut jeder vier Ausstellungen jährlich.

Außerdem wurden 2016 über 25 Wanderungen und 15 Vorträge angeboten, auf denen neben der Vermittlung von Pilzkenntnissen auch andere Naturbereiche angesprochen wurden.

Jeder Pilzberater nutzt mindestens einmal im Jahr ein Wochenende, um bei einer Weiterbildung sein Wissen zu erweitern oder aufzufrischen.

Foto: Archiv Landratsamt

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