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Wolf

Seit es in Sachsen wieder freilebende Wölfe gibt, bewegt diese Tierart die Gemüter der Bevölkerung. Viele Fragen werden aufgeworfen. Die Angst vor Gefährdungen durch den Wolf, der lange Zeit in der hiesigen Region als ausgestorben galt, ist allgegenwärtig. Es gibt zurzeit einen großen Informations- und Gesprächsbedarf in der einheimischen Bevölkerung, dem sich der Landkreis annehmen und stellen wird.

Wiederbesiedlung durch den Wolf
Der Wolf ist eine nach europäischem und deutschem Recht streng geschützte Tierart und dementsprechend zu behandeln. Das heißt zum einen, dass der Wolf nur in besonderen Fällen abgeschossen werden darf. Andererseits bedeutet dieser Schutzstatus auch, dass Nutztierhalter im Falle eines nachgewiesenen Wolfsrisses entschädigt werden, wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind.
Nachdem der Wolf, bis auf wenige Zuwanderer aus dem osteuropäischen Raum, etwa seit 150 Jahren als ausgestorben galt, siedelte er sich Ende des 20. Jahrhunderts wieder im Ostsächsischen Raum an. Europäische Grauwölfe, wie sie richtigerweise heißen, wanderten aus den westpolnischen Vorkommensgebieten ein und konnten ehemalige Einstandsgebiete in der Lausitz wieder besiedeln und erfolgreich Welpen groß ziehen. Im Jahr 2000 wurden erstmals wieder freilebende Wölfe in Sachsen geboren.
Die in Sachsen lebenden Wölfe wurden nicht vom Menschen angesiedelt, wie bisweilen behauptet wird.

Geschützte Arten
Mit dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt, der sogenannten "Konferenz von Rio" 1992, hat sich auch die EU mit ihren Mitgliedsländern zum Erhalt der biologischen Vielfalt verpflichtet. So wurden europaweit durch die Umsetzung der „Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie“ u. a. stark gefährdete wildlebende Säugetierarten unter strengen Schutz gestellt. Danach sind die Mitgliedsländer der EU verpflichtet, für diese Arten einen guten Erhaltungszustand der jeweiligen Population (Gruppe von Individuen der gleichen Art) sicher zu stellen.
Zu diesen europaweit streng geschützten Arten gehören auch die in früheren Zeiten in Deutschland heimischen Großraubtiere Wolf, Braunbär und Luchs. Diese drei genannten Arten galten zum Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland als ausgestorben.
Durch koordinierte Schutzmaßnahmen konnten die Restbestände dieser Tierarten zumindest stabilisiert werden. Zaghaft besiedeln nunmehr Wolf und Luchs auch wieder für sie geeignete Lebensräume in Deutschland.

ca. 6 Wochen alte Wolfswelpen aus dem Lausitzer Wolfsgebiet, Foto: S. Körner
Wolfsfamilien
Gegenwärtig leben 10 Wolfsfamilien oder -paare in Sachsen und Südbrandenburg. Es wird bewusst von Familien gesprochen, da der Begriff Wolfsrudel eigentlich falsch ist. Im Gegensatz zu den landläufigen Vorstellungen vom Leben der Wolfsrudel sind Wölfe weder besonders kämpferisch, noch gibt es einen Leitwolf. Das Wolfsrudel ist nichts anderes als eine Familie, die nach festen Regeln zusammenlebt. Die Vorstellung vom Wolf als Einzelgänger entspricht ebenfalls nicht der Wirklichkeit. Das Bestreben der erwachsenen Wölfe ist immer die Familiengründung.
Zur Partnersuche unternehmen Wölfe teils große Wanderungen, so dass durchaus auch Einzeltiere im westsächsischen Raum auftauchen können. Hat sich ein Paar gefunden, besetzt es gemeinsam ein Revier, das gegenüber fremden Wölfen streng abgegrenzt und verteidigt wird. Die Reviergrößen liegen dabei in Sachsen bei etwa 250 Quadratkilometern. Jedes Frühjahr bekommt ein Wolfspaar vier bis sieben Junge, die nach etwa zwei Jahren erwachsen sind und die Familie zur Gründung neuer Reviere verlassen. Durch dieses Verhalten ist gewährleistet, dass die Wolfsdichte in einem bestimmten Raum genau der Beutetierdichte angepasst ist, ohne dass die Populationen der Beutetiere ernsthaft Schaden nehmen.

Beute

Was frisst denn eigentlich der Wolf? Also mit Sicherheit nicht die Großmutter, wie im Märchen der Gebrüder Grimm vom Rotkäppchen. Menschen gehören nicht zum Beutespektrum dieser Tierart. Menschen bedeuten für den Wolf instinktiv Gefahr. Freilebende Wölfe sind in aller Regel für den Menschen nicht gefährlich.
Wölfe sind in Mitteleuropa in erster Linie an die Jagd auf Schalenwild (Huftiere), wie Rehe, Rothirsche und Wildschweine angepasst, verschmähen aber auch nicht Wildkaninchen, Mäuse oder gar Aas.
In ihrem Nahrungsverhalten sind Wölfe sehr flexibel. Sie können natürlich nicht zwischen wilden Huftieren und Nutztieren unterscheiden. Ungeschützte Schafe oder Ziegen sind deshalb für den Wolf eine leichtere Beute als z. B. ein Rothirsch, so dass Nutztierverluste in Wolfsgebieten, vor allem in den Gebieten, wo der Wolf neu einwandert, nicht ausgeschlossen werden können.

Wolf im Märchen
Vorurteil
Über kaum ein Tier gibt es so viele Vorurteile wie über den Wolf.
Selbst heute noch wird er von vielen Menschen als verschlagenes, blutrünstiges Raubtier gesehen, das nur darauf lauert, dem Menschen Schaden zuzufügen. Das Wolfsrudel gilt als Sinnbild einer Gruppe, in welcher der Stärkste bestimmt und permanent Kämpfe um die Führungsposition ausgetragen werden.
Dieses "Image" führte dazu, dass der Wolf über Jahrhunderte weltweit bekämpft und in vielen Ländern ausgerottet wurde, so dass sein Bestand zum Ende des vergangenen Jahrhunderts weltweit als stark gefährdet eingestuft werden musste.
Dieses Schicksal teilte er mit vielen anderen wildlebenden Tier- und Pflanzenarten. So sind nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz u. a. von den einheimischen wildlebenden Tierarten Deutschlands gegenwärtig 35 Prozent und von den Pflanzenarten 26 Prozent bestandsgefährdet.

Wolf und Mensch

Nachdem die Wölfe etwa zwei Jahrhunderte lang nicht Bestandteil der gewohnten Lebensumstände waren, wird ihre Rückkehr verschiedentlich von den Menschen vor Ort als Störung der ländlichen Lebensweise und als landeskulturelle Beeinträchtigung wahrgenommen.
Langjährige Erfahrungen aus der Lausitz, in der es seit über zehn Jahren Wolfsrudel gibt, und aus anderen europäischen Wolfsgebieten zeigen, dass auch in von Menschen dicht besiedelten Kulturlandschaften Wölfe leben können, ohne eine Gefahr für Leib und Leben darzustellen. In einer Kulturlandschaft lebende Wölfe reagieren auf den Anblick von Menschen zwar vorsichtig, aber nicht extrem scheu. Bei einer Begegnung erfolgt oft keine panische Flucht, sondern der Wolf zieht sich meist gelassen und bedacht zurück. Die ausgeprägte Vorsicht und das Misstrauen gegenüber potenziellen Feinden und Gefahren ist eine bewährte Überlebensstrategie des Wolfes. Zu direkten Begegnungen zwischen Mensch und Wolf kommt es daher selten. Meist bemerken Wölfe den Menschen frühzeitig und gehen ihm aus dem Weg. In ihrer Raumnutzung passen sie sich normalerweise an die Aktivität des Menschen an, indem sie die Bereiche ihres Streifgebietes, in denen tagsüber viele Menschen anzutreffen sind, nur in der Nacht frequentieren. Im Schutze der Dunkelheit laufen sie auch unmittelbar an bewohnten Häusern vorbei, so wie man es auch von Rehen und Füchsen kennt.
Berichte über Angriffe aus früheren Jahrhunderten, lassen sich zum größten Teil auf tollwütige Wölfe zurückführen. Deutschland ist in Folge der Ausbringung von Impfködern seit 2008 und Sachsen bereits seit 2004 tollwutfrei.
Vereinfacht kann das störende Element wohl so beschrieben werden, dass die Menschen dort, wo Wölfe vorkommen, ihre Gewohnheiten teilweise ändern müssen: Jäger fürchten um die Früchte ihrer historischen Hegeleistungen und müssen ihre Jagdmethoden anpassen, Tierhalter müssen sich intensiver um ihre Tiere kümmern, andere ängstigen sich vor den Wölfen.
Diesen kritischen Positionen steht eine andere diametral entgegen. Sie sieht in der Rückkehr des Wolfes einen Gewinn für das Ökosystem, da sie beispielsweise entscheidend zur Fitness ihrer Beutetierpopulationen beitragen können, indem sie bevorzugt schwächere, junge, überalterte oder kranke Individuen erbeuten. Des Weiteren wird Wölfen auch zugetraut, eine bessere räumliche Verteilung, sogar eine für Wald und Feld positive Verringerung hoher Schalenwildbestände herbeiführen zu können.


Wolfsmanagementplan im Freistaat Sachsen

Der Freistaat Sachsen hatte sich deshalb zur Erarbeitung eines Wolfsmanagementplanes entschlossen, mit dessen Hilfe ein möglichst konfliktfreies Nebeneinander von Menschen und Wölfen erreicht werden soll. Die Erarbeitung dieses Plans erfolgte unter Einbeziehung einschlägiger Interessensgruppen. Ziel dieses Plans ist es, einen Beitrag für eine Wolfspopulation zu erbringen, welche nationale und internationale Erhaltungskriterien erfüllt und andererseits die Interessen der Bevölkerung in den von Wölfen besiedelten Gebieten berücksichtigt.
Den Landkreisverwaltungen als Untere Naturschutzbehörden wurden in diesem Zusammenhang zahlreiche Aufgaben zugewiesen, wie die Unterstützung im Rahmen des Wolfsmonitorings (Erfassung und Dokumentierung), die Präventionserstberatung, die Schadensbegutachtung und insbesondere die Öffentlichkeitsarbeit.

Vorsorgemaßnahmen bei der Nutztierhaltung
Tierhalter sollten durch geeignete Maßnahmen dafür sorgen, dass eventuell durchziehende Wölfe oder auch wildernde Hunde keine Möglichkeiten finden, in Koppeln zu gelangen.
Hobbyhalter mit wenigen Schafen und Ziegen sollten ihre Tiere über Nacht im Stall unterbringen.
Für Schaf- und Ziegenherden, die nachts auf der Weide bleiben, bietet ein handelsüblicher Elektrozaun (Mindesthöhe 90 cm) einen effektiven Schutz.
Alternativ werden Litzenzäune empfohlen, die mindestens 5 Litzen aufweisen, wobei der Abstand zwischen den einzelnen Drähten und zum Boden 20 cm nicht überschreiten sollte. Wichtig ist, dass die Umzäunung an allen Seiten geschlossen ist. Wassergräben und andere natürliche Begrenzungen stellen für Wölfe kein Hindernis dar.
Festkoppeln, wie zum Beispiel stationäre Holz- oder Maschendrahtzäune, sollten mindestens 1,20 m hoch sein und einen festen Bodenabschluss haben. Dabei ist ein Unterwühlschutz aus Knotengeflechtdraht oder einer stromführenden Litze zu empfehlen.
Die Zäune sollten regelmäßig auf Durchschlupfmöglichkeiten kontrolliert und diese zeitnah verschlossen werden. Außerdem sollte sich die Koppel in ausreichendem Abstand zu möglichen Einsprunghilfen, wie einer angrenzenden Böschung, befinden. Bei Mutterkuhherden ist dafür zu sorgen, dass auch Kälber nicht außerhalb des umkoppelten Weidebereichs gelangen können.

Schadensmeldung
Schäden an Nutztieren, bei denen ein Wolf als Verursacher festgestellt oder nicht ausgeschlossen wird, werden entsprechend der Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft zum Ausgleich von durch Wolf, Luchs oder Bär verursachte Schäden auch außerhalb des sächsischen Wolfsgebietes finanziell ausgeglichen. Voraussetzung ist, dass der Tierhalter seine Nutztierbestände entsprechend den Vorgaben der guten fachlichen Praxis hält. Es sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass die immer noch vereinzelt anzutreffende Anbindehaltung von Weidetieren, z. B. mit Ketten, nicht der guten fachlichen Praxis entspricht und damit bei Schäden auch kein Ausgleich erfolgen kann.
Der Tierhalter sollte den Schaden innerhalb von 24 Stunden an die Nutztierrissgutachter des Landratsamtes melden, um zeitnah einen Begutachtungstermin zu vereinbaren.
Die dafür zuständigen Mitarbeiter des Umweltamtes sind während der Dienstzeiten

  • Montag, Mittwoch und Donnerstag jeweils von 7:00 bis 16:00 Uhr
  • Dienstag von 7:00 bis 18:00 Uhr und
  • Freitag von 7:00 bis 12:00 Uhr

telefonisch über die Nummer 0375 4402-26200 zu erreichen.
Außerhalb der Dienstzeiten, an Feiertagen und Wochenenden werden Schadensmeldungen über das Diensthabendensystem des Landkreises, das über die Rettungsleitstelle Zwickau zu erreichen ist, unter der Telefonnummer 0375 271420 entgegen genommen.
Bei verletzt oder tot aufgefundenen Wölfen und bei Verkehrsunfällen mit Wölfen ist generell die Polizei zu benachrichtigen.
Alternativ kann auch an die übergeordneten Stellen des Wolfsmanagementes gemeldet werden:
André Klingenberger (Wolfsbeauftragter des Freistaates Sachsen)
LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland (zentrale Stelle für Wolfsmonitoring im Freistaat Sachsen)
Kontaktbüro "Wolfsregion Lausitz" (zentrale Stelle für Öffentlichkeitsarbeit des Freistaates Sachsen).

Schadenersatz
Die Begutachtung erfolgt durch einen amtlich beauftragten Nutztierrissgutachter des Landratsamtes oder dem Wolfsbeauftragten des Freistaates Sachsen, Herrn André Klingenberger, und ist für den Tierhalter kostenfrei.
Ziel der Begutachtung ist es, festzustellen, ob ein Wolf der Verursacher des Schadens war. Der Nutztierrissgutachter nimmt vor Ort alle Hinweise und Spuren sowohl am Nutztier als auch in dessen Umgebung auf, und erstellt ein Protokoll. Dieses wird dem Tierhalter zu Kenntnis gegeben.
Zudem wird dem Tierhalter ein Formular zur Beantragung des Schadensausgleiches bei der Landesdirektion Sachsen ausgehändigt.
Der Nutztierrissgutachter erstellt später anhand des Protokolls ein Gutachten. Dieses Gutachten ist die Grundlage, auf der die Landesdirektion über den Schadensausgleich entscheidet.
Das Ergebnis erhält der Antragsteller per schriftlichen Bescheid von der Landesdirektion.
Die Schadenshöhe wird von einem Sachverständigen des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) auf Basis von aktuellen Richtlinien ermittelt. Das Verfahren dauert i.d.R. vier bis sechs Wochen, von der Antragstellung bis zur Auszahlung der Entschädigung.

Aktuelle Informationen zum Wolf
Fragen, die im Zusammenhang mit dem Wolf stehen, beantworten die zuständigen Mitarbeiter des Umweltamtes des Landratsamtes Zwickau, Sachgebiet Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft, Telefon: 0375 4402 26200, gern.
Weitere Informationen zum Thema Wolf in Sachsen sind über das Kontaktbüro "Wolfsregion Lausitz", die zentrale Stelle für Öffentlichkeitsarbeit des Freistaates Sachsen zum Thema Wolf, erhältlich.

Ausblick
Die Rückkehr des Wolfes ist naturschutzfachlich durchaus gewollt und wird von der Mehrheit der Bevölkerung begrüßt. Seit den 1970er Jahren wurde der Wolf in vielen europäischen Ländern unter strengen Schutz gestellt, um eine weitere Abnahme der Bestände zu verhindern.
Das naturschutzfachliche Ziel ist, den Wolf wieder Teil der heimischen Tierwelt werden zu lassen. Dort wo geeignete Lebensraumbedingungen vorhanden sind, soll der Wolf seine ökologische Rolle als natürlicher Gegenspieler der wilden Huftiere, also des heimischen Wildes, wieder einnehmen.

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