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Ausschnitt aus der Zeichnung im Artikel

Menschen mit Behinderungen oder gesundheitlichen Einschränkungen sind auf unterschiedliche Weise von den Einschränkungen durch das Corona-Virus betroffen.

Einige Beispiele sollen verdeutlichen, welche Herausforderungen die Covid-19-Schutzmaßnahmen auf Menschen mit Behinderungen haben können und an welchen Stellen gegenseitiges Verständnis, Rücksicht und Kommunikation gefordert ist.

Menschen mit einer Hörbehinderung lesen häufig von den Lippen ab oder erhalten Informationen über Mimik und Gestik. Durch die Mund-Nasen-Bedeckung gehen wertvolle Informationen mitunter verloren. Zur Kommunikation mit höreingeschränkten Menschen ist es daher gestattet, die Maske kurzzeitig abzunehmen, solange der Sicherheitsabstand eingehalten wird. Wo Schutzwände aus Plexiglas stehen und die Maske dadurch kurzzeitig abgenommen werden kann, oder die Menschen Visiere tragen, die den Mundbereich offen lassen, wird die Kommunikation für Menschen mit einer Hörbehinderung zusätzlich erleichtert.

Für Blinde oder sehbehinderte Menschen stellen die Absperrungen aus Plexiglas wiederum eine nicht sichtbare Barriere dar und auch Abstandsmarkierungen am Boden sind für sie nicht ertast- bzw. erkennbar. Ebenso wenig erkennen sie die unzähligen Hinweisschilder an Eingangstüren und können sich durch eine veränderte Wegeführung, zum Beispiel in Supermärkten, schlechter orientieren. Sie nehmen Barrieren erst wahr, wenn sie diese mit dem Stock berühren oder nah genug dran sind. Menschen mit Sehbehinderung sind daher darauf angewiesen, dass man mit ihnen spricht und erklärt, wo zum Beispiel eine Warteschlange endet oder wann aufgerückt werden kann.

Wer aufgrund körperlicher Einschränkungen zum Beispiel auf Gehhilfen angewiesen ist, ist es schlicht nicht möglich, im Supermarkt einen Einkaufswagen zu benutzen, der vielerorts in den Geschäften lange Pflicht war.

Dies sind nur einige Beispiele von vielen Hürden, die Menschen mit Behinderungen überwinden müssen.  


Diskussion um die Maskenpflicht

Die derzeit geltende Maskenpflicht in Geschäften, in öffentlichen Verkehrsmitteln und überall dort, wo der notwendige Schutzabstand nicht eingehalten werden kann, stellt für Menschen mit einer Behinderung oder für Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen eine weitere Herausforderung dar. In der Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung wurde deshalb eine Ausnahmeregelung festgelegt:

"Menschen mit Behinderung und solche mit gesundheitlichen Einschränkungen können, sofern sie nicht dazu in der Lage sind, auf das Tragen der Mund-Nasenbedeckung verzichten. Es ist zulässig, im Kontakt mit hörgeschädigten Menschen, die auf das Lesen von Lippenbewegungen angewiesen sind, zeitweilig auf die Mund-Nasenbedeckung zu verzichten" (§ 1 Absatz 2 der Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung vom 25. August 2020).

Diese Ausnahmeregelung gilt zum Beispiel für Personen mit Asthma oder mit eingeschränkter Lungenfunktion sowie für Menschen mit Autismus oder psychischen Beeinträchtigungen. Durch Vorlage eines Schwerbehindertenausweises oder eines ärztliches Attestes sind die Betroffenen von der Maskenpflicht befreit (siehe dazu § 2 Absatz 7 Corona-Schutz-Verordnung).

Gerade diese Menschen, die gleichzeitig zur Corona-Risikogruppe gehören, geraten trotz dieser Ausnahmeregelung in Erklärungsnot und werden zum Teil massiv angefeindet, ausgegrenzt und sogar den Geschäften verwiesen, obwohl sie einen Nachweis zur Befreiung vorzeigten. Mit Verweis auf das Hausrecht wollen einige Ladeninhaber so sicherstellen, dass sich nur Personen mit Maske in ihren Geschäften aufhalten. Dass es per Verordnung Ausnahmen von der Maskenpflicht gibt, ist nicht überall bekannt.

Bei Ladeninhabern und Verkehrsunternehmen stehen die Mitarbeitenden derzeit vor vielen Herausforderungen. Vor allem das seit Anfang September gültige Bußgeld in Höhe von 60 EUR bei Verstößen gegen die Maskenpflicht erhöht den Druck sowohl auf diejenigen, die für die Kontrollen zuständig sind, als auch auf diejenigen, die berechtigterweise keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen können.

Allein aufgrund von Äußerlichkeiten zwischen denen zu unterscheiden, die per Verordnung von der Maskenpflicht befreit sind und denen, die bewusst gegen die Maskenpflicht verstoßen, ist nicht möglich. Menschen mit Behinderungen oder gesundheitlichen Einschränkungen müssen daher bereit sein, ihre Atteste oder Schwerbehindertenausweise in Bus und Bahn oder in Geschäften vorzuzeigen, mitunter auch mehrfach während des Einkaufs oder im ÖPNV, wenn sie zum Beispiel mehreren Supermarktangestellten oder Zugbegleitern begegnen. Immer wieder die eigene Krankheit oder Behinderung offenzulegen frustriert, es ist aktuell jedoch die einzige Möglichkeit.

Im gleichen Maße dürfen Menschen mit Behinderungen aber erwarten, dass man ihnen wohlwollend und mit Respekt begegnet. Es geht am Ende nur mit Kommunikation und gegenseitigem Verständnis. Wer chronisch krank ist, damit zur Risikogruppe zählt und selbst keinen Mundschutz tragen kann, ist dankbar für all jene, die sich an diese Pflicht halten und den notwendigen Abstand wahren. Versetzen wir uns in die Lage der Menschen, die gesundheitlich eingeschränkt sind, wären auch wir froh, wenn wir dennoch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und selbstbestimmt einkaufen und mit dem Bus oder Zug zur Arbeit fahren könnten. Niemand möchte mutwillig andere anstecken oder sich selbst in Gefahr bringen.

Mit den Ausnahmeregelungen sind diejenigen geschützt, die diesen Schutz brauchen.

Kontakt:

Landratsamt Zwickau

Büro für Chancengleichheit

Beauftragte für Menschen mit Behinderungen

E -Mail: gleichberechtigt@landkreis-zwickau.de

Telefon: 0375 4402-21053

Zeichnung mit einer Gruppe Menschen mit Behinderungen im Mittelpunkt, recht und links am Bildrand ragen Köpfe von Menschen mit Mund-Nasen-Schutz ins Bild
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