Beschlussvorschlag:
Der Wirtschafts-, Bau- und Umweltausschuss beschließt die Erweiterung
des bestehenden Verkehrsvertrages im Linienbündel 1 mit der Regionalverkehr
Westsachsen GmbH (RVW) um PlusBus- und TaktBus-Leistungen auf den
Regionallinien 116, 152, 251, 256 und betroffenen Nebenlinien im Oktober 2024
mit einem jährlichen Auftragsvolumen in Höhe von 308.566 € brutto (abzüglich
155.000 € Förderung des Freistaats Sachsen).
Begründung:
A. Ausgangslage
Der Landkreis Zwickau ist nach § 3 Abs. 1 des Gesetzes über den
öffentlichen Personennahverkehr im Freistaat Sachsen (ÖPNVG) Aufgabenträger für
den straßengebundenen öffentlichen Personennahverkehr im Kreisgebiet. Die Konkretisierung
und Festlegung der Ziele zur Erfüllung dieser Aufgabe der Daseinsvorsorge
erfolgt im Nahverkehrsplan. Dabei ist es ausgesprochenes Ziel, den Busverkehr
in der Region zu verbessern. Dazu wird auf ausgewählten Strecken im
Verkehrsverbund Mittelsachsen ein ÖPNV-Angebot unter den Marken „PlusBus“ und
„TaktBus“ eingeführt. Diese Produkte zeichnen sich durch vertaktete Verkehre,
lange Betriebszeiten, Anschlussherstellung zum Zugverkehr, transparente und
einheitliche Linienverläufe und Fahrpläne aus.
Im März 2019 wurde durch den WBU (Beschluss 392/13/KT) ein hochwertiges
Regionalbusangebot auf den Linien 129 (Zwickau – Werdau), 136 (Zwickau –
Kirchberg – Bärenwalde) und 137 (Wilkau-Haßlau – Culitzsch – Silberstraße)
beschlossen und im August 2019 eingeführt.
Der Nordosten des Landkreises soll im Sinne eines gleichberechtigten
ÖPNV-Angebots gemäß dem Nahverkehrsplan ebenfalls von Regionalbusverkehren im
Qualitätsstandard „PlusBus“ und „TaktBus“ profitieren. Derzeit sind die Städte
Limbach-Oberfrohna und Oberlungwitz mit einem deutlich unterdurchschnittlichen
Regionalverkehrsangebot nach Hohenstein-Ernstthal (und damit infolge auch an
Glauchau und Zwickau) angebunden. Das bedeutet, dass die Grenzen der
Alt-Landkreise trotz der Kreisgebietsreform von 2008 im ÖPNV-Angebot zurzeit
noch spürbar sind.
B. Umsetzung
Das Straßenverkehrsamt und die RVW GmbH erarbeiteten gemeinsam ein
Fahrplankonzept, das folgende Linien wie folgt weiterentwickelt:
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Linie |
Verlauf |
Vorteile / Bemerkungen |
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116 (PlusBus) |
Hohenstein-Ernstthal, Bahnhof – Oberlungwitz –
Gersdorf – Oelsnitz, Rathaus (–
Oelsnitz, ehem Erholung nur Einzelfahrten) |
·
Streckenführung wie im Bestand ·
klar merkbarer, verlässlicher 60-Minuten-Takt Mo-Fr, 120-Minuten-Takt
am Wochenende ·
abgestimmte, passende Anschlüsse in Hohenstein-Ernstthal zum Zug
sowohl Richtung Chemnitz als auch Richtung Glauchau/Zwickau ·
abgestimmte, passende Anschlüsse in Oelsnitz zu RVE-Linien Richtung
Stollberg und Lugau zur Landkreis-übergreifenden Vernetzung |
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152 (PlusBus) |
Zwickau – Mülsen St Jacob – Lichtenstein –
Oberlungwitz – Hohenstein-Ernstthal, Bahnhof |
·
neu: Führung von Zwickau nach Hohenstein-Ernstthal statt nach
Chemnitz, dafür den ganzen Tag über im 60-min-Takt statt nur einzelne Fahrten
am Tag ·
hochwertige Direktverbindung der Mittelzentren Lichtenstein <>
Zwickau (bisherige Linie 139 geht in Linie 152 auf, Wegfall verschiedene
Liniennummern auf gleicher Strecke), auch abends und am Wochenende vertaktet ·
abgestimmte, passende Anschlüsse in HOT zum Zug sowohl von/nach
Chemnitz und Dresden sowie Glauchau, sodass Lichtenstein, Bernsdorf und
Oberlungwitz attraktiv und schnell an Oberzentren angeschlossen sind ·
Relation Mülsen <> Chemnitz deutlich beschleunigt |
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251 (PlusBus) |
Hohenstein-Ernstthal, Bahnhof – Gewerbegebiet Am
Sachsenring – Oberlungwitz – Mittelbach – Chemnitz-Schönau |
·
neu: Führung von Chemnitz nach Hohenstein-Ernstthal statt nach
Lichtenstein; die Verbindung Chemnitz <> Lichtenstein erfolgt mit
Umstieg mit Zug deutlich schneller als bisher mit Bus + Umstieg in
Straßenbahn in Chemnitz-Schönau ·
Gewerbegebiet Am Sachsenring vertaktet und mit guten Zuganschlüssen
direkt mit Oberlungwitz und Bahnhof Hohenstein-Ernstthal verbunden ·
Anschlüsse in HOT zum Zug sowohl von/nach Glauchau, sodass
Lichtenstein, Bernsdorf und Oberlungwitz attraktiv und schnell an Oberzentren
angeschlossen sind |
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256 (TaktBus) |
Hohenstein-Ernstthal, Bahnhof – Wüstenbrand – Pleißa
– Limbach-Oberfrohna – Bräunsdorf |
·
Aufwertung und Ausweitung der Betriebszeiten: Verkehr neu auch am
Wochenende, Montag bis Freitag im 60-Minuten-Takt (mit Taktlücken vormittags) ·
abgestimmte, passende Anschlüsse in HOT zur RB30 von/nach Glauchau und
Zwickau, sodass Limbach-Oberfrohna attraktiv und schnell an
Ober-/Mittelzentren angeschlossen ist ·
Beschleunigung und bessere Erschließung durch neue Linienführung durch
Innenstadt Hohenstein-Ernstthal |
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252 (Ersatz für entfallende Linie 125) |
(nur in der
Hauptverkehrszeit: Lichtenstein – Gersdorf –)
Oberlungwitz – Neubaugebiet HOT-Ost – Wüstenbrand (– Mittelbach – Chemnitz-Schönau nur in der Hauptverkehrszeit) |
·
verkehrt Mo-Fr im 60-min-Takt als Verstärkung für Linie 251 und als
Ersatz für Linie 125, die entfällt ·
Gewerbegebiet Wüstenbrand besser an Oberlungwitz angebunden ·
Neubaugebiet HOT (inkl. Kaufland) besser mit Oberlungwitz verbunden ·
neue Direktverbindung Lichtenstein <> Gersdorf <>
Wüstenbrand in der Hauptverkehrszeit und während der Schulzeiten |
Ausgangspunkt für das neue Linienkonzept sind die Produktmerkmale eines
„PlusBus“ bzw. „TaktBus“, die als Mindestanforderungen teilweise übertroffen
werden:
1.
Grundangebot
auf Stammlinienweg mit Einhaltung der Mindestvorgaben
·
Verkehrsangebot
Montag bis Freitag: mindestens 15 Fahrtenpaare (PlusBus) bzw. mindestens 7
Fahrtenpaare (TaktBus)
·
Verkehrsangebot
am Samstag: mindestens 6 Fahrtenpaare (PlusBus) bzw. mindestens 4 Fahrtenpaare
(TaktBus)
·
Verkehrsangebot
an Sonn- und Feiertagen: mindestens 4 Fahrtenpaare (PlusBus)
2.
direkter
Linienweg
3.
exakter
Takt
4.
gleicher
Fahrplan an Schul- und Ferientagen
5.
Anschlüsse
an den Schienenverkehr durch aufeinander abgestimmte Fahrpläne
Mit der Einführung der Produkte „PlusBus“/„TaktBus“ bietet sich die
Chance, nicht nur die Hauptachsen zu vertakten, sondern auch die
Zubringerlinien aus dem ländlichen Raum an diesen Hauptachsen auszurichten.
Somit entsteht für die Fahrgäste auf den beiden PlusBus-Linien wie auch den
Zubringerlinien ein aufeinander abgestimmtes Verkehrsangebot. Infolgedessen
werden auch auf einigen Nebenlinien die Fahrpläne angepasst.
Mit den betroffenen Städten und Gemeinden Mülsen, Oberlungwitz,
Gersdorf, Hohenstein-Ernstthal, Lichtenstein und Chemnitz wurden Abstimmungen
zu Belangen der Verkehrsführung, Verkehrssicherheit, der Schülerverkehrsströme
usw. vorgenommen.
Die Inbetriebnahme soll im Oktober 2024 im Rahmen der Herbstferien
erfolgen. Dies soll mit einer Festveranstaltung auf dem Bahnhofsvorplatz
Hohenstein-Ernstthal verbunden werden, die voraussichtlich in Kooperation mit
dem Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) organisiert wird.
Im Ergebnis steht ein zeitgemäßes, wirtschaftliches und
fahrgastfreundliches ÖPNV-Angebot, das folgende Qualitätskriterien erfüllt:
·
transparentes
Regionalbusangebot mit klaren Takten, einheitlichen Linienführungen
·
Anschlüsse
zwischen Bus und SPNV
·
lange
Betriebszeiten mit Angeboten auch abends und am Wochenende
·
hochwertige
Verbindung zwischen Mittel- und Oberzentren Limbach-Oberfrohna,
Hohenstein-Ernstthal, Gersdorf, Lichtenstein, Oberlungwitz, Mülsen, Zwickau –
„Vollendung der Kreisgebietsreform“
C. Finanzierung
Die Umsetzung des Projektes erfordert eine Erweiterung des bestehenden
Verkehrsvertrages.
Auf Basis eines Angebots der RVW wurden Verhandlungen über die Kosten
für das zusätzliche Verkehrsangebot geführt. So forderte die RVW eine Erhöhung
der jährlichen Fixkosten um 59.000 € sowie eine Anpassung des Vergütungssatzes
pro Bus pro Jahr auf 43.100 € aufgrund gestiegener Anschaffungs- und
Unterhaltskosten für Neufahrzeuge. Der Landkreis Zwickau ließ das Angebot der
RVW von einem auf ÖPNV-Finanzierung spezialisierten Beratungsunternehmen (BPV Consult
GmbH) prüfen, dessen Vermerk als nicht öffentliche Anlage zur Verfügung
gestellt wird. Im Ergebnis werden der RVW keine zusätzlichen Fixkosten
zugesprochen (vgl. Anlage). Die Kosten für die zwei zusätzlich anzuschaffenden
Busse werden gegenüber dem 2018 geschlossenen Verkehrsvertrag aufgrund der
tatsächlichen Preisentwicklung angepasst (vgl. Anlage).
Die Gesamtsumme der Ausgaben gliedert sich im Einzelnen wie folgt
auf:
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Kosten pro
Jahr (Preisstand 2024) |
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zusätzliche Verkehrsleistung (Fahrplankilometer und
Fahrplanstunden) |
222.366 € |
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zusätzliche Fahrzeuge (2 konventionelle mit
Dieselkraftstoff betriebene 12m-Busse) |
86.200 € |
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SUMME = |
308.566
€ |
Demgegenüber stehen Einnahmen aus der ÖPNVFinVO. Der Freistaat Sachsen
reicht eine Förderung von 1,80 € pro zusätzlich gefahrenem Kilometer auf
PlusBus- und TaktBus-Linien an den Landkreis Zwickau aus. Die zur Rede
stehenden Linien sind Bestandteil der ÖPNVFinVO, sodass eine Förderung als
sicher betrachtet wird.
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Einnahmen pro
Jahr (Preisstand 2024) |
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PlusBus-/TaktBus-Förderung des SMWA gemäß ÖPNVFinVO |
155.000 € |
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SUMME = |
155.000
€ |
Weitere Einnahmen aus dem Ausgleichsmechanismus des
„DeutschlandTickets“, die sich aus der Mehrleistung bzw. Mehrfahrgästen und der
DTFinVO ergeben, können zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös prognostiziert
werden. Aufgrund der Gestaltung des Verkehrsvertrags mit der RVW
(Bruttovertrag) kommen höhere Fahrgastzahlen und Fahrgeldeinnahmen dem
Landkreis Zwickau zugute.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Faktoren entstehen dem Landkreis
Zwickau jährliche Kosten in Höhe von 153.566
€ (Differenz aus Kosten und Einnahmen), die ggf. durch
Fahrgeldmehreinnahmen sinken.
Die Aufwendungen (anteilig für das Haushaltsjahr 2024, ab Haushaltsjahr
2025 in voller Höhe) können über eingeplante Haushaltmittel im Produkt 54710101
abgedeckt werden.
D. Ausblick
Die Zubestellung der Verkehrsleistung erfolgt bis zum Ende des
Verkehrsvertrags im Linienbündel 1 am 31.12.2028.
Für den sich anschließenden Verkehrsvertrag, dessen
Ausschreibungsverfahren derzeit durch das Straßenverkehrsamt vorbereitet wird,
soll ein ganzheitlich überplantes und zeitgemäßes Liniennetz im Raum
Hohenstein-Ernstthal/Limbach-Oberfrohna/Lichtenstein erarbeitet werden, das die
zeitgemäßen Notwendigkeiten (Anschlüsse zum Zugverkehr, Anschluss- und
Taktknoten, Vermeidung von Parallelverkehren, …) auf alle Linien ausweitet.
Hierzu wird in den WBU eine gesonderte Beschlussvorlage eingebracht.
ÖPNVG, ÖPNVFinVO, Nahverkehrsplan
