Betreff
Erweiterung des Verkehrsvertrages im Linienbündel 1 (Beschluss-Nr. 563/18/KT) um PlusBus- und TaktBusleistungen
Vorlage
BV/752/2024
Art
Beschlussvorlage

Beschlussvorschlag:

Der Wirtschafts-, Bau- und Umweltausschuss beschließt die Erweiterung des bestehenden Verkehrsvertrages im Linienbündel 1 mit der Regionalverkehr Westsachsen GmbH (RVW) um PlusBus- und TaktBus-Leistungen auf den Regionallinien 116, 152, 251, 256 und betroffenen Nebenlinien im Oktober 2024 mit einem jährlichen Auftragsvolumen in Höhe von 308.566 € brutto (abzüglich 155.000 € Förderung des Freistaats Sachsen).

 


Begründung:

A.           Ausgangslage

Der Landkreis Zwickau ist nach § 3 Abs. 1 des Gesetzes über den öffentlichen Personennahverkehr im Freistaat Sachsen (ÖPNVG) Aufgabenträger für den straßengebundenen öffentlichen Personennahverkehr im Kreisgebiet. Die Konkretisierung und Festlegung der Ziele zur Erfüllung dieser Aufgabe der Daseinsvorsorge erfolgt im Nahverkehrsplan. Dabei ist es ausgesprochenes Ziel, den Busverkehr in der Region zu verbessern. Dazu wird auf ausgewählten Strecken im Verkehrsverbund Mittelsachsen ein ÖPNV-Angebot unter den Marken „PlusBus“ und „TaktBus“ eingeführt. Diese Produkte zeichnen sich durch vertaktete Verkehre, lange Betriebszeiten, Anschlussherstellung zum Zugverkehr, transparente und einheitliche Linienverläufe und Fahrpläne aus.

Im März 2019 wurde durch den WBU (Beschluss 392/13/KT) ein hochwertiges Regionalbusangebot auf den Linien 129 (Zwickau – Werdau), 136 (Zwickau – Kirchberg – Bärenwalde) und 137 (Wilkau-Haßlau – Culitzsch – Silberstraße) beschlossen und im August 2019 eingeführt.

Der Nordosten des Landkreises soll im Sinne eines gleichberechtigten ÖPNV-Angebots gemäß dem Nahverkehrsplan ebenfalls von Regionalbusverkehren im Qualitätsstandard „PlusBus“ und „TaktBus“ profitieren. Derzeit sind die Städte Limbach-Oberfrohna und Oberlungwitz mit einem deutlich unterdurchschnittlichen Regionalverkehrsangebot nach Hohenstein-Ernstthal (und damit infolge auch an Glauchau und Zwickau) angebunden. Das bedeutet, dass die Grenzen der Alt-Landkreise trotz der Kreisgebietsreform von 2008 im ÖPNV-Angebot zurzeit noch spürbar sind.

B.            Umsetzung

Das Straßenverkehrsamt und die RVW GmbH erarbeiteten gemeinsam ein Fahrplankonzept, das folgende Linien wie folgt weiterentwickelt:

Linie

Verlauf

Vorteile / Bemerkungen

116 (PlusBus)

Hohenstein-Ernstthal, Bahnhof – Oberlungwitz – Gersdorf – Oelsnitz, Rathaus (– Oelsnitz, ehem Erholung nur Einzelfahrten)

·         Streckenführung wie im Bestand

·         klar merkbarer, verlässlicher 60-Minuten-Takt Mo-Fr, 120-Minuten-Takt am Wochenende

·         abgestimmte, passende Anschlüsse in Hohenstein-Ernstthal zum Zug sowohl Richtung Chemnitz als auch Richtung Glauchau/Zwickau

·         abgestimmte, passende Anschlüsse in Oelsnitz zu RVE-Linien Richtung Stollberg und Lugau zur Landkreis-übergreifenden Vernetzung

152 (PlusBus)

Zwickau – Mülsen St Jacob – Lichtenstein – Oberlungwitz – Hohenstein-Ernstthal, Bahnhof

·         neu: Führung von Zwickau nach Hohenstein-Ernstthal statt nach Chemnitz, dafür den ganzen Tag über im 60-min-Takt statt nur einzelne Fahrten am Tag

·         hochwertige Direktverbindung der Mittelzentren Lichtenstein <> Zwickau (bisherige Linie 139 geht in Linie 152 auf, Wegfall verschiedene Liniennummern auf gleicher Strecke), auch abends und am Wochenende vertaktet

·         abgestimmte, passende Anschlüsse in HOT zum Zug sowohl von/nach Chemnitz und Dresden sowie Glauchau, sodass Lichtenstein, Bernsdorf und Oberlungwitz attraktiv und schnell an Oberzentren angeschlossen sind

·         Relation Mülsen <> Chemnitz deutlich beschleunigt

251 (PlusBus)

Hohenstein-Ernstthal, Bahnhof – Gewerbegebiet Am Sachsenring – Oberlungwitz – Mittelbach – Chemnitz-Schönau

·         neu: Führung von Chemnitz nach Hohenstein-Ernstthal statt nach Lichtenstein; die Verbindung Chemnitz <> Lichtenstein erfolgt mit Umstieg mit Zug deutlich schneller als bisher mit Bus + Umstieg in Straßenbahn in Chemnitz-Schönau

·         Gewerbegebiet Am Sachsenring vertaktet und mit guten Zuganschlüssen direkt mit Oberlungwitz und Bahnhof Hohenstein-Ernstthal verbunden

·         Anschlüsse in HOT zum Zug sowohl von/nach Glauchau, sodass Lichtenstein, Bernsdorf und Oberlungwitz attraktiv und schnell an Oberzentren angeschlossen sind

256 (TaktBus)

Hohenstein-Ernstthal, Bahnhof – Wüstenbrand – Pleißa – Limbach-Oberfrohna – Bräunsdorf

·         Aufwertung und Ausweitung der Betriebszeiten: Verkehr neu auch am Wochenende, Montag bis Freitag im 60-Minuten-Takt (mit Taktlücken vormittags)

·         abgestimmte, passende Anschlüsse in HOT zur RB30 von/nach Glauchau und Zwickau, sodass Limbach-Oberfrohna attraktiv und schnell an Ober-/Mittelzentren angeschlossen ist

·         Beschleunigung und bessere Erschließung durch neue Linienführung durch Innenstadt Hohenstein-Ernstthal

252 (Ersatz für entfallende Linie 125)

(nur in der Hauptverkehrszeit: Lichtenstein – Gersdorf –) Oberlungwitz – Neubaugebiet HOT-Ost – Wüstenbrand (– Mittelbach – Chemnitz-Schönau nur in der Hauptverkehrszeit)

·         verkehrt Mo-Fr im 60-min-Takt als Verstärkung für Linie 251 und als Ersatz für Linie 125, die entfällt

·         Gewerbegebiet Wüstenbrand besser an Oberlungwitz angebunden

·         Neubaugebiet HOT (inkl. Kaufland) besser mit Oberlungwitz verbunden

·         neue Direktverbindung Lichtenstein <> Gersdorf <> Wüstenbrand in der Hauptverkehrszeit und während der Schulzeiten

 

Ausgangspunkt für das neue Linienkonzept sind die Produktmerkmale eines „PlusBus“ bzw. „TaktBus“, die als Mindestanforderungen teilweise übertroffen werden:

1.    Grundangebot auf Stammlinienweg mit Einhaltung der Mindestvorgaben

·         Verkehrsangebot Montag bis Freitag: mindestens 15 Fahrtenpaare (PlusBus) bzw. mindestens 7 Fahrtenpaare (TaktBus)

·         Verkehrsangebot am Samstag: mindestens 6 Fahrtenpaare (PlusBus) bzw. mindestens 4 Fahrtenpaare (TaktBus)

·         Verkehrsangebot an Sonn- und Feiertagen: mindestens 4 Fahrtenpaare (PlusBus)

2.    direkter Linienweg

3.    exakter Takt

4.    gleicher Fahrplan an Schul- und Ferientagen

5.    Anschlüsse an den Schienenverkehr durch aufeinander abgestimmte Fahrpläne

Mit der Einführung der Produkte „PlusBus“/„TaktBus“ bietet sich die Chance, nicht nur die Hauptachsen zu vertakten, sondern auch die Zubringerlinien aus dem ländlichen Raum an diesen Hauptachsen auszurichten. Somit entsteht für die Fahrgäste auf den beiden PlusBus-Linien wie auch den Zubringerlinien ein aufeinander abgestimmtes Verkehrsangebot. Infolgedessen werden auch auf einigen Nebenlinien die Fahrpläne angepasst.

Mit den betroffenen Städten und Gemeinden Mülsen, Oberlungwitz, Gersdorf, Hohenstein-Ernstthal, Lichtenstein und Chemnitz wurden Abstimmungen zu Belangen der Verkehrsführung, Verkehrssicherheit, der Schülerverkehrsströme usw. vorgenommen.

Die Inbetriebnahme soll im Oktober 2024 im Rahmen der Herbstferien erfolgen. Dies soll mit einer Festveranstaltung auf dem Bahnhofsvorplatz Hohenstein-Ernstthal verbunden werden, die voraussichtlich in Kooperation mit dem Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) organisiert wird.

Im Ergebnis steht ein zeitgemäßes, wirtschaftliches und fahrgastfreundliches ÖPNV-Angebot, das folgende Qualitätskriterien erfüllt:

·         transparentes Regionalbusangebot mit klaren Takten, einheitlichen Linienführungen

·         Anschlüsse zwischen Bus und SPNV

·         lange Betriebszeiten mit Angeboten auch abends und am Wochenende

·         hochwertige Verbindung zwischen Mittel- und Oberzentren Limbach-Oberfrohna, Hohenstein-Ernstthal, Gersdorf, Lichtenstein, Oberlungwitz, Mülsen, Zwickau – „Vollendung der Kreisgebietsreform“

C.            Finanzierung

Die Umsetzung des Projektes erfordert eine Erweiterung des bestehenden Verkehrsvertrages.

Auf Basis eines Angebots der RVW wurden Verhandlungen über die Kosten für das zusätzliche Verkehrsangebot geführt. So forderte die RVW eine Erhöhung der jährlichen Fixkosten um 59.000 € sowie eine Anpassung des Vergütungssatzes pro Bus pro Jahr auf 43.100 € aufgrund gestiegener Anschaffungs- und Unterhaltskosten für Neufahrzeuge. Der Landkreis Zwickau ließ das Angebot der RVW von einem auf ÖPNV-Finanzierung spezialisierten Beratungsunternehmen (BPV Consult GmbH) prüfen, dessen Vermerk als nicht öffentliche Anlage zur Verfügung gestellt wird. Im Ergebnis werden der RVW keine zusätzlichen Fixkosten zugesprochen (vgl. Anlage). Die Kosten für die zwei zusätzlich anzuschaffenden Busse werden gegenüber dem 2018 geschlossenen Verkehrsvertrag aufgrund der tatsächlichen Preisentwicklung angepasst (vgl. Anlage).

Die Gesamtsumme der Ausgaben gliedert sich im Einzelnen wie folgt auf: 

Kosten pro Jahr (Preisstand 2024)

zusätzliche Verkehrsleistung (Fahrplankilometer und Fahrplanstunden)

222.366 €

zusätzliche Fahrzeuge (2 konventionelle mit Dieselkraftstoff betriebene 12m-Busse)

86.200 €

SUMME =

308.566 €

Demgegenüber stehen Einnahmen aus der ÖPNVFinVO. Der Freistaat Sachsen reicht eine Förderung von 1,80 € pro zusätzlich gefahrenem Kilometer auf PlusBus- und TaktBus-Linien an den Landkreis Zwickau aus. Die zur Rede stehenden Linien sind Bestandteil der ÖPNVFinVO, sodass eine Förderung als sicher betrachtet wird.

Einnahmen pro Jahr (Preisstand 2024)

PlusBus-/TaktBus-Förderung des SMWA gemäß ÖPNVFinVO

155.000 €

SUMME =

155.000 €

Weitere Einnahmen aus dem Ausgleichsmechanismus des „DeutschlandTickets“, die sich aus der Mehrleistung bzw. Mehrfahrgästen und der DTFinVO ergeben, können zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös prognostiziert werden. Aufgrund der Gestaltung des Verkehrsvertrags mit der RVW (Bruttovertrag) kommen höhere Fahrgastzahlen und Fahrgeldeinnahmen dem Landkreis Zwickau zugute.

Unter Berücksichtigung der vorgenannten Faktoren entstehen dem Landkreis Zwickau jährliche Kosten in Höhe von 153.566 € (Differenz aus Kosten und Einnahmen), die ggf. durch Fahrgeldmehreinnahmen sinken.

Die Aufwendungen (anteilig für das Haushaltsjahr 2024, ab Haushaltsjahr 2025 in voller Höhe) können über eingeplante Haushaltmittel im Produkt 54710101 abgedeckt werden.

D.           Ausblick

Die Zubestellung der Verkehrsleistung erfolgt bis zum Ende des Verkehrsvertrags im Linienbündel 1 am 31.12.2028.

Für den sich anschließenden Verkehrsvertrag, dessen Ausschreibungsverfahren derzeit durch das Straßenverkehrsamt vorbereitet wird, soll ein ganzheitlich überplantes und zeitgemäßes Liniennetz im Raum Hohenstein-Ernstthal/Limbach-Oberfrohna/Lichtenstein erarbeitet werden, das die zeitgemäßen Notwendigkeiten (Anschlüsse zum Zugverkehr, Anschluss- und Taktknoten, Vermeidung von Parallelverkehren, …) auf alle Linien ausweitet. Hierzu wird in den WBU eine gesonderte Beschlussvorlage eingebracht.

 


ÖPNVG, ÖPNVFinVO, Nahverkehrsplan