Der Automobilstandort Zwickau steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Der Wandel der Branche, globale Marktverschiebungen und technologische Transformationen stellen die Region Südwestsachsen vor große Herausforderungen – eröffnen zugleich aber neue Chancen.
Um diesen Strukturwandel aktiv zu gestalten, haben sich zentrale regionale Akteure im Sommer 2025 zur Taskforce Automotive Zwickau zusammengeschlossen.
Der Landkreis Zwickau, die Stadt Zwickau, die IHK-Regionalkammer Zwickau sowie die Sparkasse Zwickau bündeln darin ihre Kräfte, um gemeinsam neue wirtschaftliche Perspektiven für die Region zu erschließen. Im Mittelpunkt stehen die Diversifizierung über den klassischen Automobilbau hinaus, der Ausbau zukunftsfähiger Wertschöpfungsketten sowie die gezielte Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.
Ein sichtbarer Baustein dieser Strategie ist die aktuelle Delegationsreise nach Taiwan. Eine hochrangige Gruppe aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ist vor Ort, um internationale Kontakte zu vertiefen, Kooperationsmöglichkeiten auszuloten und Impulse für die Weiterentwicklung des Standorts Zwickau zu gewinnen.
Halbleiter als Schlüsseltechnologie
Bereits zum Auftakt der Reise wurde deutlich, welche strategische Bedeutung Taiwan für globale Zukunftsindustrien hat. Die Wirtschaft des Landes entwickelt sich äußerst dynamisch, mit einem Wachstum von über sieben Prozent bei gleichzeitig niedriger Inflation. Zentraler Treiber ist die Chip- und Halbleiterindustrie: Mehr als 90 Prozent der weltweit produzierten hochentwickelten Halbleiter, die insbesondere für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz benötigt werden, stammen aus Taiwan.
Damit nimmt das Land eine Schlüsselrolle für internationale Lieferketten, technologische Souveränität und industrielle Innovation ein – auch mit Blick auf Europa und Deutschland.
Sachsen ist in Taiwan längst ein fester Begriff. Die Investition des Halbleiterkonzerns TSMC in Dresden, die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Freistaates, wird hier als strategischer Meilenstein wahrgenommen. Sie stärkt nicht nur den Wirtschaftsstandort Sachsen, sondern intensiviert auch die politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Sachsen und Taiwan.
Chancen für Mittelstand, Wirtschaft und Wissenschaft
Ein besonderer Fokus der Delegationsreise liegt auf den Chancen für den sächsischen und südwestsächsischen Mittelstand. Ziel ist es, gemeinsam mit taiwanesischen Partnern Möglichkeiten für den Aufbau und die Einbindung einer leistungsfähigen Zuliefer- und Dienstleistungsstruktur rund um die Halbleiterproduktion auszuloten. Gerade mittelständische Unternehmen bringen hohe Kompetenzen in spezialisierten Technologien, im Anlagenbau sowie in industrienahen Dienstleistungen mit und können eine zentrale Rolle in neuen Wertschöpfungsketten einnehmen.
Parallel richtet sich auch die sächsische Hochschullandschaft konsequent auf das Zukunftsfeld Halbleiter aus. Die Westsächsische Hochschule Zwickau wird ab dem Sommer über einen eigenen Reinraum verfügen. Gemeinsam mit der Hochschule Zittau/Görlitz werden Forschung und Lehre gezielt auf Halbleitertechnologien ausgerichtet. Diese Investitionen stärken die Fachkräftebasis, fördern anwendungsnahe Forschung und leisten einen wichtigen Beitrag zum Strukturwandel in der Region.
Internationale Vernetzung als Schlüssel
Delegationsleiter Carsten Körber MdB, Mitglied des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages, bewertet den Start der Reise äußerst positiv: "Ich halte den Auftakt der Gespräche in Taiwan für sehr vielversprechend und freue mich sehr auf den Austausch in den nächsten Tagen mit Partnern aus Politik, Wirtschaft und dem Hochschulbereich in Taiwan."
Auch Landrat Carsten Michaelis unterstreicht die Bedeutung der Reise für die Region: "Für den Landkreis Zwickau ist die Halbleiterindustrie ein zentrales Zukunftsfeld im Strukturwandel. Die Gespräche in Taiwan zeigen, welches Potenzial für unsere Region im Aufbau neuer Wertschöpfungsketten liegt – insbesondere für den sächsischen Mittelstand. Entscheidend ist jetzt, die internationalen Kontakte in konkrete Kooperationen, Investitionen und Qualifizierungsangebote zu überführen."
Begleitet wird die Delegation unter anderem von Jens Hertwig, Präsident der IHK-Regionalkammer Zwickau, Andreas Fohrmann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Zwickau, Prof. Dr.-Ing. Jan Schubert, Prorektor Forschung der Westsächsischen Hochschule Zwickau, sowie Dr. Frank Löschmann, Gründer und CEO der SisTeam Unternehmensgruppe. Gemeinsam repräsentieren sie die enge Verzahnung von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzierung, die für den Erfolg des Strukturwandels entscheidend ist.
Blick nach vorn
Bis zum Ende der Woche stehen weitere hochrangige Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern, Unternehmensvertretern und Hochschulen in Taiwan auf dem Programm. Bereits jetzt zeigt sich: Auf politischer, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene öffnen sich Türen für einen intensiven Austausch.
Die Reise der Taskforce Automotive Zwickau macht deutlich, dass die Region Zwickau ihren Strukturwandel nicht abwartet, sondern aktiv gestaltet – mit internationaler Vernetzung, strategischem Weitblick und einem klaren Ziel: den Automobilstandort Zwickau zu erhalten und zugleich durch neue Technologien, Branchen und Kompetenzen zukunftsfest aufzustellen.
