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Landrat Carsten Michaelis

02. September 2026 Zwickau

Statement von Landrat Carsten Michaelis zu den bekannt gewordenen Volkswagen-Plänen

"Die heute bekannt gewordenen Berichte treffen Zwickau und die gesamte Region mit voller Wucht. Sollte der Volkswagen-Vorstand tatsächlich bereits einstimmig das Ende der Fahrzeugproduktion in Zwickau im Jahr 2031 beschlossen haben, steht dies in einem kaum aufzulösenden Widerspruch zu dem Eindruck, den Oliver Blume erst vor wenigen Tagen bei seinem Besuch in Zwickau vermittelt hat.

Oliver Blume war erst vor wenigen Tagen persönlich im Volkswagen-Werk Zwickau. Ich habe ihn vor seiner Abfahrt am Rande kurz begrüßt; an der Betriebsversammlung selbst habe ich nicht teilgenommen. Dort erklärte er gegenüber der Belegschaft, es gebe keine Entscheidung über eine mögliche Werksschließung. 

Nach der Logik des Konzerns ist ein beschlossenes Produktionsende ohne Folgebelegung offenbar noch keine beschlossene Werksschließung. Formal mag Volkswagen zwischen diesen Begriffen unterscheiden. Für die Beschäftigten, ihre Familien, die Zulieferer und eine ganze Industrieregion ist diese Unterscheidung ohne jeden praktischen Wert: Ein Automobilwerk, in dem keine Fahrzeuge mehr produziert werden, hat keine belastbare Zukunft.

Wer wenige Tage zuvor in Zwickau erklärt, Entscheidungen seien noch nicht gefallen, muss der Region heute erklären, was im Vorstand tatsächlich bereits beschlossen wurde. Es geht dabei nicht allein um eine juristisch oder formal richtige Wortwahl. Es geht um Vertrauen, Verlässlichkeit und den ehrlichen Umgang mit Tausenden Menschen, deren Zukunft unmittelbar von diesen Entscheidungen abhängt.

Wir erwarten deshalb von Oliver Blume und dem Volkswagen-Vorstand unverzüglich eine persönliche und eindeutige Klarstellung: Ist das Produktionsende 2031 das vom Vorstand beschlossene Basisszenario? Welche reale Chance besitzt Zwickau noch auf ein Folgeprodukt? Welche konkreten Bedingungen muss der Standort dafür erfüllen, und bis wann werden die endgültigen Entscheidungen getroffen?

Zwickau hat für Volkswagen die Transformation zur Elektromobilität getragen und dabei Außerordentliches geleistet. Die Beschäftigten haben Veränderungen akzeptiert, Kosten gesenkt und Verantwortung übernommen. Diese Region darf jetzt nicht mit sprachlichen Unterscheidungen und immer neuen Hiobsbotschaften hingehalten werden.

Wir sind bereit, gemeinsam mit Volkswagen, der Arbeitnehmerseite und dem Freistaat mit aller Kraft für die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes zu arbeiten. Dafür brauchen wir aber vollständige Transparenz, faire und nachvollziehbare Kriterien sowie ein klares Bekenntnis zur industriellen Zukunft Zwickaus. Eine Region kann nicht glaubwürdig zur Zusammenarbeit aufgefordert werden, während wesentliche Weichen möglicherweise längst hinter verschlossenen Türen gestellt wurden."
 

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